Vielleicht werde ich doch nicht immer unangekündigt auftauchen.
Am Donnerstag hat Love meinen Chef, den Personalabteilungsleiter und mich an seine Uni eingeladen. Es gab eine mehrtägige Veranstaltung und er hat das Organisationsteam für einen Marketingwettbewerb zwischen unterschiedlichen Universitäten geleitet. Etwas ahnunglos sind wir indisch pünktlich gekommen und wurden sofort in Beschlag genommen. Love hat uns als Ehrengäste der Veranstaltung angekündigt und wir wurden als Jury in einem großen Raum in die erste Reihe an Tische mit Tischdecken und bequemen Bänken gesetzt. Alle 2 Sekunden kam jemand und hat uns erklärt, was wir machen müssen (die Präsentationen der Studenten nach verschiedenen Kriterien bewerten), wie das Bewertungssystem funktioniert, wer gerade spricht, usw. Ständig hat uns jemand Kuchen, Kaffee, Tee und Gebäck serviert, mit einem Applaus wurden wir offiziell vorgestellt und haben riesige Blumensträuße bekommen und alle Naselang kam jemand zu uns an den Tisch und hat sich vorgestellt. Und mit jedem Gespräch wurden wir wichtiger. Beim ersten Vorstellen des Leiters der Fakultät habe ich noch erklärt, dass ich meine Diplomarbeit schreibe, beim zweiten Gespräch wurde ich dann schon als Doktorantin und Beraterin angesprochen. Es war also ein ständiges Aufstehen, Hinsetzen und zwischendrin schnell zuhören. Leider gab es da noch einen Termin im Headoffice, der uns ein bisschen Zeitdruck bescherte... Um nicht allzu unhöflich zu verschwinden, haben wir unser gehen dezent angekündigt und nach vier Präsentationen wurden wir verabschiedet. Und damit fing die Show erst richtig an mit allem Pipapo: Der Fakultätsleiter hat eine beeindruckende Rede gehalten und jeden einzelnen von uns mit Namen verabschiedet, sodass wir aufstehen mussten und unseren Applaus empfangen können (meinen gleich zweimal - den zweiten dafür, dass ich ja Doktorantin und gleichzeitig auch noch Beraterin bin ;-)). Danach haben wir einen Dankesbrief und eine Trophäe erhalten, auf der zu lesen ist, dass wir Jurymitglied waren. Gefolgt von einer Traube aus 20 Stundenten, die es sich nicht haben nehmen lassen unsere Sachen zu tragen, wurden wir von Raum zu Raum gelotst, bis wir schließlich beim Universitätsleiter gelandet sind. Der wiederum wollte uns zumindest einen Teil der Uni zeigen und inmitten der Studententraube, die von irgendwoher immer mehr und mehr Geschenke trug sind wir auf den Campus, wo wir vom Universitätsleiter persönlich in einem Golfwagen kutschiert wurden. Schnell noch Fotos machen vom Unifotografen und von sämtlichen Handys der umherstehenden Studenten zusammen mit den wichtigen Menschen der Uni und los ging es zum Headoffice-Termin. Zum Abschied wurde uns nachgewunken und im Auto konnten wir dann begutachten, was wir alles bekommen hatten: für jeden einen kleinen Bambus, eine mittelgroße Zimmerpflanze samt Übertopf, besagtes Anschreiben und Trophäe, Blumen und einen Gutschein für ein Bekleidungsgeschäft.
Wir verlassen mit einem guten "wow!"-Gefühl die Uni und die Uni hat viele Fotos mit ausländischen Geschäftsleuten. Im Präsentieren und im Beziehungsaufbau sind die Inder wirklich spitze! Und Love ist nun der Held bei all seinen Lehrern und muss sich um die kommenden Prüfungen keine Gedanken mehr machen... :) (Das ist kein Scherz!)
Mal ganz davon abgesehen, dass meine Wahrnehmung etwas beeinflusst war, scheint mir die Uni aber wirklich verhältnismäßig gut zu sein. Zumindest von der Ausstattung her kann eine deutsche Uni davon nur träumen. Von den Studiengebühren allerdings auch...
06 Februar 2009
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen