Und das sage ich:
Ich dachte, wenn ich europäischen Boden nach 2,5 Monaten Indien betrete, wird mir sofort auffallen, wie sauber und ordentlich es ist und wie tief der Sauerstoff in die Lunge zieht. Aber was mich dann am meisten umgehauen hat, war die Stille, die mir in den Ohren dröhnte. Auf dem Flughafen in Helsinki zur Zwischenlandung nach Stockholm empfing mich mittags um 15h gemütliche Dunkelheit mit skandinavischen Holzböden, weihnachtlich dekorierten Geschäften nach westlichem Konzept (Klasse statt Masse, Augenmerk auf Atmosphäre und natürlich gehobenen Preisen), und einem Männerchor, der leise Weihnachtslieder gesungen hat. Am 23.12. um 15h finnischer Zeit fing also mein Weihnachten an und es wurde das empfunden Stillste und Besinnlichste.
Vor der Tür die Natur, hinter der Tür brennendes Kaminfeuer, ein weiches, warmes Bett mit richtiger Bettdecke, die Freiheit einfach so aus dem Haus zu spazieren und das alles umgeben von Familie und Freunden - das waren die besten Weihnachtsgeschenke! Und dann hat es auch noch pünktlich am 24.12. morgens angefangen zu schneien für die weiße Weihnacht - was will man mehr?!
Mehr Urlaub und mehr Europa! :-) Zum Beispiel in Helsinki. Mit ebenso netter Begleitung, einem noch weicheren Bett und genug Zeit zum Genießen. Ich werde am Flughafen schon erwartet, nach einer kleinen Diskussion ("You need two staff identity cards for two rooms" "No" "Yes" "No!") bekommen wir unsere Luxuszimmer und danach gibts Bescherung: Wichtelgeschenk gegen Wichtelgeschenk, indische Mitbringsel gegen deutsches Essen und Trinken und einen Milbenschlafsack. Yeah! Danke euch!!
Erster Tag: Strahlender Sonnenschein, +2 Grad, wunderschönes Licht, das Hotel ist in Laufdistanz zu allen wichtigen Eckpunkten der Stadt und wir beschließen am Hafen die nächstbeste Fähre auf die Insel Suomenlinna vor Helsinki zu nehmen für ein bisschen Kultur und Geschichte und einen Spaziergang. Es ist ruhig und doch belebt, es ist kalt und klar und die Welt steht uns offen. Und dann kommt abends auch noch Jenny aus Berlin angeflogen. Ist das nicht schön?! :-)
Jenny bleibt nur bis Silvesterabend, um dann weiter nach Göteborg zu fliegen und weil sich 3 Tage, 3 Länder zu gut anhört, machen wir Touriprogamm in Helsinki und fahren einen Tag nach Tallinn. Eine sehr hübsche Stadt übrigens! Mit Weihnachtsmarkt und einem Café in einem Gewölbekeller, einer Galerie, die Kunst aus Lebkuchen ausstellt, und kleinen Jugendstilhäusern in bunten Farben. Auf einer Aussichtsstelle über den Dächern versuchen uns Estnen Bücher zu verkaufen, da fühle ich mich doch gleich wieder wie in Indien. Dem Zweiten erzählen wir, wir kommen aus Schweden, klappt prima! Überhaupt eine nette Sache an Finnland (und Estland): Man erkennt uns nicht als Ausländer! Kein Fahrradfahrer verliert seine Ladung, weil er einer Weißen hinterherstarrt und keiner zerrt am Ärmel, weil er etwas verkaufen will ;)
Unser Silvestermahl besteht aus lauter Lebensmitteln, die wir in Tallinn und Helsinki zusammengesucht haben und von denen wir nicht wissen, was sie beinhalten. Überraschungsmenü vom Feinsten: Es gibt eine Dose Tourist ("turisti eine", entpuppt sich als Pressfleisch), Cheese Beer (sehr salzig geräucherter Käse, schmeckt nicht), Brot, das man zu einem riesigen dünnen Fladen auseinander klappen kann, Schnürsenkelkäse, kleine Fische am Stück, Weinbergschnecken, die nach Dreck und Moder schmecken, einen Brotlaib, der mit Fischen und Fett gefüllt ist, und nach 60 Minuten bei 180°C im Ofen bestimmt lecker geschmeckt hätte :), Leberpastete, Pferdewurst, geräucherter Käse am Stück (lecker), eine weiße quarkartige Paste mit 5% wir-wissen-es-nicht, Karamellsahnecreme, die wirklich lecker war, aber wohl eher als dünne Zwischenschicht in einem Kuchen geeignet gewesen wäre, und ein paar weitere Kleinigkeiten. Das hört sich schlimmer an als es war, eigentlich hat es nicht so schlimm geschmeckt und ein sehr lustiges Essen war es allemal! Auf dem Hauptplatz gabs ein bisschen Programm und ein eher mickriges, aber dennoch nettes Feuerwerk. Frohes Neues!
Ich habe ganz vergessen Vorsätze zu machen! Aber ich habe ja schon an Diwali im Tempel der Göttin Lakshmi in Mumbai einen Wunsch fürs neue Jahr in Form einer Münze an die Wand gehalten - und sie ist hängen geblieben. Das sollte reichen, oder?
Achja: Es wurde doch noch kalt! -8°C tagsüber. Wenn das mal nicht Winter ist! Mehr muss es dann aber auch nicht sein...
Nach so viel Luxus und umgeben von guten Freunden hatte ich wirklich Angst zurück nach Indien zu kommen, weil ich wusste, was mich erwarten wird. Aber letztendlich war wohl das genau der Grund, warum es dennoch nicht so schlimm ist. Am Flughafen kam der Fahrer eine halbe Stunde zu spät (angeblich wegen des Nebels, auf der Rückfahrt hat ihn der aber auch nicht gestört), dafür habe ich aber gemerkt, dass ich nur noch 6 Wochen statt der 7, wie ich dachte, in Indien habe. Der Geruch am Flughafen war sogar exotisch gut. Allerdings ist es verdammt kalt hier! 4°C in Dehli, wenigstens gibts einen kleinen Heizlüfter im unisolierten Hotel. Jetzt sitze ich also mit Winterjacke im Büro, weil es zwar eine Klimaanlage, aber keine Heizung gibt, und lese die Neujahrwünsche der Kollegen. Die sind alle bunt und kitschig mit vielen Herzchen und Glitzerblingbling; willkommen zurück in Indien ;-)
Liebstes Europa, ich komme wieder! In sechs Wochen minus einem Tag, um genau zu sein :-) Bis dahin wird gearbeitet und mitgenommen, was geht.
1 Kommentar:
*lol* der Schlafsack ist für dich gedacht und nicht für die Milben ;-)
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