21 Oktober 2008

Delhi zum ersten

…und hoffentlich nicht letzten Mal. Gleich mal vorneweg: Ich habe mir Delhi voller, dreckiger und anstrengender vorgestellt.

Aber zuerst muss ich doch mal wieder die äußeren Umstände hier beschreiben, sonst kann sich das keiner vorstellen…:-) Hatte ich schon erwähnt, dass hier ständig Strom und Wasser ausfallen? Das Wochenende über gab es also so gut wie nur morgens Wasser. Bei mir zumindest. Bei den anderen gab es teilweise gar kein Wasser… deshalb fülle ich jetzt morgens immer einen Notfallbottich - den die Leute vom Hotel beim Saubermachen immer wieder ausleeren. Das ist natürlich ein wenig ärgerlich, wenn abends die Reserve ausgeleert ist und der Wasserhahn kein Wasser mehr ausgibt. Aber ich beschwere mich ja gar nicht, ich hatte heute Morgen den Luxus einer lauwarmen Dusche! Also Dusche bedeutet sich unter einen in Hüfthohe angebrachten Wasserhahn zu bücken ;-) Für den Fall, dass zwischendrin mal wieder das Wasser ausfällt, seife ich mich immer stückchenweise ein und dusche dann zwischendrin wieder ab. Erst Gesicht, dann Haare, dann Oberkörper, dann Beine. Unglaublicherweise gibt es heute Abend aber Wasser. Das habe ich dann gleich mal genutzt, um meine Wäsche zu waschen. Es gibt hier zwar auch einen Wäscheservice, aber will ich, dass meine Wäsche aussieht wie die Bettlaken? Nein. In einem Hauch von Dekadenz habe ich zu Hause das teuerste Duschgel eingepackt, aber natürlich kein Waschmittel. Jetzt bin ich ganz froh darum, denn selbst wenn meine Wäsche nicht sauber wird, riecht sie wenigstens gut. Ob sie denn nun sauber ist, weiß ich nicht so genau, denn nach dem 14. Kurzstromausfall (<15 Minuten) ist jetzt der Strom schon eine ganze Weile weg (beim 13. kam ein Wutausfall mit einem f...-Urschrei aus meinem Gang, der durchs ganze Hotel hallte) und ich sitze hier also im Stockdunkeln und bin ganz froh, dass Bildschirme leuchten ;-) Dabei muss ich mal sagen, dass die Taschenlampenfunktion meines Handys Gold wert ist! Danke, Barbara, du erleichterst mir hier einiges!!! :-)

Jetzt aber zu Delhi: Ich könnte jetzt aufschreiben, wo wir waren oder berichten, wie´s dort aussieht. Beides finde ich ein bisschen unbefriedigend, weil ich nie die Atmosphäre dort treffend wiedergeben könnte. Man muss es glaube ich einfach erleben und aufnehmen. Aber ich probiers trotzdem.
Wenn man nach Delhi reinfährt, kommt man erstmal an einem riesigen Müllberg vorbei, auf dem Menschen den Müll aussortieren und auf dem hier und da ein paar Feuerchen lodern. Es sieht so aus als wäre die Stadt von einem riesigen Müllgürtel umgeben. In der Stadt ist es ebenfalls ganz schön dreckig, aber erstaunlich weitläufig und grün. Vielleicht wurden wir geschickt um die schlimmsten Ecken rum gelotst, aber ich hätte nicht gedacht, dass es dort so eine reiche Vegetation gibt. Wir waren beim Lotustempel, einem Baha´í-Tempel, der in Form einer riesigen Lotusblüte gebaut wurde, beim India Gate, einer Gedenkstätte für die in den verschiedenen Kriegen gefallenen indischen Soldaten und dem Ashradam, einem riesigen Tempel, der über und über mit in Stein gehauenen Ornamenten und Figuren übersät ist. Außen ist alles Sandstein und innen Marmor. Unglaublich!! Leider darf man dort keine Fotos machen.
Aber es sind eigentlich die "Kleinigkeiten", die ins Auge springen. Es gibt da zum Beispiel eine riesige Wasserleitung, die aus lauter Betonrohren, die ineinander gesteckt sind, und auf Stelzen gebaut ist. Entlang dieser Leitung haben Menschen untendrunter Hütten gebaut. Die Leitung ist das Dach, noch ein bisschen Plane oder zusammengeschusterte Holz- oder Blechwände, das wars. Eigentlich ziemlich schlau, denn fließend Wasser ist hier ja offensichtlich nicht selbstverständlich.

Als weiße Frau ist man hier die Attraktion. Ständig wird man angestarrt und Inder wollen Fotos haben. Der Fahrer hat sich eins dann gleich mal ausdrucken lassen. Aber naja, man kann das weitestgehend problemlos ignorieren.
Was mich allerdings sehr wohl wurmt, ist, dass das Hotelpersonal ausgesucht freundlich zu mir ist, seit man mich mit vier Männern assoziiert.
Auf dem Rückweg wurden wir übrigens geblitzt. 18km/h zu schnell kosten 400Rupie. Ich wage aber mal zu bezweifeln, dass das ein fester Betrag ist :-)

So, das war´s erstmal, vielleicht gibt´s bald auch Bilder. Dass meine Ausführungen über die Wasserarmut so lang sind wie die über Delhi, beweist doch mal wieder, wie lebensnotwendig es ist. :-)

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